Mit Axon Ivy 14 haben wir die Grundlage für die nächste Generation intelligenter Prozessorchestrierung geschaffen. KI wird stärker in die Entwicklung und Ausführung von Prozessen integriert. Mit dem neuen PRO Designer auf Basis von Visual Studio Code erhält die Entwicklungsumgebung ein grundlegendes Update. Gleichzeitig wurde die Plattform selbst technisch weiter modernisiert.
Doch welche Entscheidungen stehen hinter diesen Veränderungen? Und was passiert, wenn KI nicht mehr nur eine zusätzliche Funktion ist, sondern zunehmend beeinflusst, wie Unternehmensprozesse entwickelt und ausgeführt werden?
Wir haben Marcel Prügel, Director Product bei Axon Ivy, gefragt, welche Überlegungen hinter Version 14 stehen, welche Entscheidungen das Release geprägt haben und wie er die Zukunft der Enterprise-Orchestrierung sieht.
Marcel Prügel:
Die größte Herausforderung war, die Plattform fit für die Zukunft zu machen.
Auf der einen Seite mussten wir die Entwicklungsumgebung modernisieren. Wir wollten uns von Eclipse lösen und gleichzeitig KI-Funktionen in den gesamten Entwicklungsprozess integrieren.
Auf der anderen Seite wollten wir KI auch in die Orchestrierung integrieren.
Marcel Prügel:
In den letzten zwei Jahren gab es vor allem zwei Entwicklungen im Markt, die uns beeinflusst haben.
Die eine ist natürlich die gesamte Entwicklung rund um KI, mit KI-Funktionen sowohl zur Entwicklungszeit als auch zur Laufzeit.
Die zweite war die Frage nach einer modernen Developer Experience. Entwickler sollen die Lösungen, die sie konzipieren, direkt auf der Plattform umsetzen können, mit Visual Studio Code genauso wie mit unseren Smart-Workflow-Funktionen.
Marcel Prügel:
Wir greifen natürlich sowohl Signale aus dem Markt als auch konkrete Probleme auf. Gleichzeitig ist es wichtig, sich wirklich auf bestimmte Themen zu konzentrieren und nicht zu versuchen, die Plattform an allen möglichen Stellen gleichzeitig zu verbessern.
Eine der entscheidenden und manchmal auch schmerzhaften Entscheidungen war deshalb, uns wirklich auf die Modernisierung der Plattform zu konzentrieren und an diesen zentralen Themen festzuhalten, anstatt uns von anderen Dingen ablenken zu lassen.
Das ist immer der schwierige Teil.
Marcel Prügel:
Die größten Diskussionen drehten sich um KI-Funktionen und ihre konkreten Anwendungsfälle.
Wenn wir 16 Monate zurückgehen, haben alle über KI gesprochen. Gleichzeitig haben sich aber auch alle gefragt: Was ist eigentlich der konkrete Anwendungsfall? Wo entsteht der wirkliche Nutzen? Oder ist das Ganze letztlich nur eine Vision und eine Idee?
Vor allem die Frage, wie viel Freiheit wir KI geben sollten, insbesondere zur Laufzeit, wurde für uns zu einem wichtigen Diskussionsthema.
Marcel Prügel:
Axon Ivy ist als offene Plattform bekannt, auf der Entwickler sehr unterschiedliche Dinge umsetzen können.
Gleichzeitig möchte man nicht, dass KI innerhalb der Plattform einfach alles tun kann. Wir brauchen Governance, Einschränkungen und klare Leitplanken.
Das richtige Maß an Freiheit für KI zur Laufzeit zu finden, haben wir intensiv diskutiert. Und genau dazu suchen wir auch den Austausch mit Kunden, die Axon Ivy einsetzen.
Diese Balance wird wichtiger, je größer die Rolle von KI-Agenten in Unternehmensprozessen wird. Es geht nicht mehr nur darum, ob ein Unternehmen KI einsetzen kann. Entscheidend ist auch, was ein Agent innerhalb eines realen Geschäftsprozesses tun darf und wo klare Grenzen notwendig sind.
Bei intelligenter Prozessorchestrierung gehören diese Fragen zusammen. KI-Agenten agieren nicht isoliert. Sie werden Teil von Prozessen, an denen auch bestehende Systeme, etablierte Prozesslogiken und Menschen mit ihren Entscheidungen beteiligt sind.
Marcel Prügel:
Einige Veränderungen sieht man direkt, wenn man mit der Plattform arbeitet, zum Beispiel die neue Entwicklungsumgebung.
Andere finden eher unter der Haube statt. Dazu gehören viele Modernisierungen an unserer Workflow Engine sowie bei Skalierbarkeit, Zuverlässigkeit und Cloud Readiness.
Nicht jede wichtige Veränderung an einer Plattform zeigt sich in einer neuen Benutzeroberfläche oder einer Funktion, auf die man direkt zeigen kann. Ein Teil von Version 14 betrifft deshalb die technische Grundlage, auf der sich die Plattform künftig weiterentwickeln kann.
Marcel Prügel:
Zu Beginn von Version 14 haben wir KI eher als einzelne Funktion beziehungsweise als Integration betrachtet.
Mit der Zeit haben wir aber immer stärker erkannt, welche wichtige Rolle KI bereits zur Entwicklungszeit in Visual Studio Code spielt, wenn wir Prozesse mithilfe von Agentic Engineering entwickeln.
Gleichzeitig spielt sie auch zur Laufzeit eine Rolle. Wir wollen uns von rein deterministischen Prozessen lösen und KI-Agenten ermöglichen, Prozesse über unsere Smart-Workflow-Funktionen zu orchestrieren.
Damit ist KI viel stärker in die Kernfunktionen der Plattform gerückt. Sie ist nicht einfach nur ein weiteres Feature.
Darin liegt vielleicht die grundlegendste Veränderung hinter Version 14. KI wird nicht mehr ausschließlich als etwas betrachtet, das sich zu einer einzelnen Anwendung oder einem bestimmten Prozessschritt hinzufügen lässt. Sie beeinflusst zunehmend sowohl die Entwicklung von Prozessen als auch deren Ausführung zur Laufzeit.
Für Unternehmen verändert sich damit auch die Frage der Orchestrierung. Die Herausforderung besteht darin, deterministische Prozesslogik und eine flexiblere, KI-gestützte Ausführung zusammenzubringen und gleichzeitig die Kontrolle über den gesamten End-to-End-Prozess zu behalten.
Marcel Prügel:
Ich hoffe, dass sie sich darüber freuen, den Eclipse-basierten Designer endlich hinter sich lassen zu können und mit der neuen Generation des Axon Ivy PRO Designers auf Basis von Visual Studio Code zu arbeiten.
Die Entwicklungsumgebung ist deutlich moderner. Es gibt viel mehr Erweiterungen, man kann mit KI arbeiten und das eigene LLM einbinden.
Der Wechsel zu Visual Studio Code ist damit mehr als nur ein visuelles Update der Entwicklungsumgebung. Er ist Teil der umfassenderen Modernisierung, die Version 14 geprägt hat. Gleichzeitig verändert er die Möglichkeiten, wie Entwickler bereits während der Entwicklung mit KI arbeiten können.
Marcel Prügel:
Mit Version 14 haben wir Axon Ivy nicht nur auf der Entwicklungsseite, sondern auch im Betrieb modernisiert.
Es geht darum, Menschen, Systeme und KI-Agenten zu orchestrieren und intelligente Orchestrierung einen Schritt weiterzubringen.
Version 14 markiert eine wichtige Veränderung darin, wie wir KI innerhalb der Axon Ivy Plattform betrachten.
KI kann Entwickler beim Entwerfen von Prozessen unterstützen. Gleichzeitig können KI-Agenten eine aktive Rolle übernehmen, wenn diese Prozesse ausgeführt werden. Je mehr Autonomie sie erhalten, desto wichtiger werden Fragen nach Governance, klaren Grenzen und menschlicher Kontrolle.
Genau deshalb hängen die von Marcel Prügel beschriebenen Entwicklungen eng miteinander zusammen. Eine moderne Developer Experience, KI zur Entwicklungszeit, KI zur Laufzeit und die technische Grundlage der Plattform zahlen auf dieselbe Entwicklung ein: intelligente Prozessorchestrierung über Menschen, Systeme und KI hinweg.
Version 14 schafft dafür die Grundlage, ist aber kein Endpunkt. Axon Ivy entwickelt sich damit weiter in Richtung einer Umgebung, in der deterministische Prozesse und eine flexiblere, KI-gestützte Ausführung innerhalb durchgängiger Unternehmensprozesse zusammenspielen können.